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Bericht über die Stipendiatentage 2025 der Richard

Meine Teilnahme an den Stipendiatentagen der Richard-Wagner-Stiftung in Bayreuth begann formal am 14. August 2025 mit der Anreise, innerlich jedoch schon etwas früher. Die Reise nach Bayreuth stellte für mich nicht nur den Besuch der Festspiele dar, sondern war eingebettet in eine längere persönliche Auseinandersetzung mit Richard Wagner und seinem Werk, die bereits während meines Urlaubs in der Schweiz mit dem Besuch der Villa Tribschen in Luzern begonnen hatte.


Anreise und erstes Kennenlernen

Die Anreise erfolgte bei hochsommerlichen Temperaturen von Nürnberg aus mit der Bahn. Trotz der widrigen Umstände – überfüllter Zug, Hitze und fehlende Klimaanlage – war die Vorfreude groß. Am Bayreuther Bahnhof traf ich bereits auf die ersten anderen Stipendiaten, die sich, erkennbar an Abendgarderobe und ähnlichem Alter, langsam sammelten. Nach einer kurzen Busfahrt erreichten wir die Jugendherberge, die während der kommenden Tage unser Quartier sein sollte.

Dort erhielten wir unsere Stipendiatenunterlagen mit Programm, Eintrittskarten zu den Festspielvorstellungen (Das Rheingold, Parsifal und Siegfried), zur exklusiven Festspielhausführung sowie zum internationalen Stipendiatenkonzert. Die Zimmerverteilung bot erste Gelegenheiten zum Kennenlernen. Mein Zimmer war mit Musikern unterschiedlichster Fachrichtungen besetzt, darunter ein Korrepetitor, Instrumentalisten und ein Sänger. Als einziger Regieassistent stellte ich eine kleine Ausnahme dar, wurde aber sehr offen aufgenommen.




Fränkischer Abend und Auftakt der Stipendiatentage

Der offizielle Auftakt der Stipendiatentage war der Fränkische Abend auf der Wiese vor der Jugendherberge. Bei fränkischen Spezialitäten, Getränken und sommerlicher

Atmosphäre kamen die Stipendiaten aus aller Welt erstmals intensiv miteinander ins Gespräch. Besonders bereichernd war der internationale Austausch mit Teilnehmern aus zahlreichen Ländern. Ein besonderer Moment war das Wiedersehen mit den Koblenzer Stipendiaten sowie die Begegnung mit Albin, der uns während der gesamten Tage begleitete und uns durch seine große Vernetzung in Bayreuth zahlreiche persönliche Kontakte ermöglichte. So wurden wir bereits am ersten Abend mit wichtigen Persönlichkeiten der Wagner-Gemeinschaft bekannt gemacht, darunter Vertreter der Stipendienstiftung und des Richard-WagnerVerbands International. Der Abend dauerte bis tief in die Nacht und legte den Grundstein für die offene und herzliche Atmosphäre der kommenden Tage.




Begrüßung auf dem Grünen Hügel und Stadtführung

Am nächsten Morgen führte uns der erste offizielle Programmpunkt zum Festspielhaus. Auf dem Wolfgang-Wagner-Platz wurden wir mit der traditionellen Siegfried-Fanfare empfangen. Stefanie Kolmer begrüßte uns im Namen der Stiftung, gefolgt von persönlichen Worten

Katharina Wagners und des Präsidenten des Richard-Wagner-Verbands International, Harry Leutscher. Besonders eindrucksvoll war der Hinweis auf ehemalige Stipendiaten, die inzwischen selbst Teil der Festspiele sind. Nach anfänglicher Unsicherheit konnte erfreulicherweise auch die exklusive Führung durch das Festspielhaus bestätigt werden. Im Anschluss begann die Stadtführung durch Bayreuth, die einen umfassenden Einblick in die Geschichte der Stadt und ihre enge Verbindung zu Richard Wagner bot. Stationen waren unter anderem das Alte und Neue Schloss, das markgräfliche Opernhaus, die Villa Wahnfried mit Wagners Grab sowie weitere kulturhistorisch bedeutsame Orte. Trotz großer Hitze war die Führung sehr lebendig und informativ.



Erster Festspielabend: Das Rheingold

Am frühen Abend ging es zurück zum Festspielhaus. Nach einem gemeinsamen Fototermin begann der erste Vorstellungsbesuch mit Das Rheingold in der Inszenierung von Valentin Schwarz und unter der musikalischen Leitung von Simone Young. Inszenatorisch konnte mich die Produktion persönlich nur bedingt überzeugen; einige Regieeinfälle erschienen mir schwer zugänglich, zumal eine vorbereitende Einführung zeitlich nicht möglich war. Umso nachhaltiger war jedoch der Eindruck der einzigartigen Akustik des Festspielhauses. Der berühmte Bayreuther Klang entfaltete eine Intensität, die man weder aus anderen Opernhäusern noch aus Aufnahmen kennt. Trotz der großen Hitze im Zuschauerraum überwog die Faszination für dieses besondere Theatererlebnis.

Im Anschluss fand der Empfang des Richard-Wagner-Verbands Koblenz in der Bürgerreuth statt,bei dem wir den Abend in geselliger Runde ausklingen ließen. Später folgte die „Blaue Stunde“ im Festspielrestaurant – ein lockerer, musikalischer Abschluss eines ereignisreichen Tages.



Exklusive Festspielhausführung und Kranzniederlegu

Der folgende Tag begann entspannter und führte uns erneut zum

Festspielhaus, diesmal zur exklusiven Führung. Im Zuschauerraum erhielten wir durch Dr. Sven Friedrich und Katharina Wagner Einblicke in Geschichte, Architektur und Akustik des Hauses. Besonders beeindruckend war der Gang durch den einzigartigen Orchestergraben, den „mystischen Abgrund“, sowie der Besuch der Bühne mit Blick auf die monumentalen Bühnenbilder des aktuellen Ring-Zyklus. Am Nachmittag fand die feierliche Kranzniederlegung am Grab Richard Wagners im Garten der Villa Wahnfried statt. Musikalisch begleitet von Bläsern – unter ihnen auch ein KoblenzerStipendiat – wurde Wagner in kurzen Ansprachen gewürdigt. Direkt im Anschluss lud Dr. Sven Friedrich zu einem Empfang im Garten des Richard-Wagner-Museums ein, der Gelegenheit zu Austausch und Gesprächen bot.



Internationales Stipendiatenkonzert

Ein besonderer Höhepunkt der Stipendiatentage war das internationale Stipendiatenkonzert im Europasaal des Internationalen Jugendkultuzentrums. Für mich hatte dieser Abend eine besondere Bedeutung, da ich auf Einladung von Stefanie Kolmer die Moderation des Konzerts übernehmen durfte. Diese Aufgabe bedeutete für mich als Regieassistent einen Perspektivwechsel, der intensive Vorbereitung erforderte.

Das Konzert präsentierte eine beeindruckende Vielfalt musikalischer Beiträge der Stipendiaten. Ergänzt wurde das Programm durch den Auftritt von Gideon Poppe, einem ehemaligen Stipendiaten, der in dieser Spielzeit in mehreren Bayreuther Produktionen mitwirkte. Die positive Resonanz auf das Konzert und meine Moderation war für mich eine große Bestätigung. Im Anschluss erhielten alle Mitwirkenden eine Urkunde und ein Präsent. Der Stipendiatenabend mit Buffet, Musik und offener Bühne bot danach nochmals Raum für Begegnungen, Gespräche und spontane musikalische Beiträge. Die Atmosphäre war offen, lebendig und von großer gegenseitiger Wertschätzung geprägt.




Parsifal und weitere Programmpunkte

Der Sonntag begann mit dem freiwilligen Einführungsvortrag zu Parsifal von Dr. Sven Friedrich, der durch seine humorvolle und kenntnisreiche Art wichtige Einblicke in Werk und Inszenierung vermittelte. Anschließend besuchten wir die Klaviermanufaktur Steingraeber & Söhne, deren Geschichte und Instrumenteninnovationen – insbesondere die berühmten Gralsglocken – eine eindrucksvolle Verbindung zu Wagners Werk aufzeigten. Am Nachmittag stand der Besuch von Parsifal in der Inszenierung von Jay Scheib und unter der musikalischen Leitung von Pablo Heras-Casado auf dem Programm. Die Inszenierung überzeugte mich durch ihren klugen Einsatz technischer Mittel und eine starke musikalische Gesamtleistung.

Besonders hervorzuheben ist Günther Groissböck, der kurzfristig als Gurnemanz eingesprungen war. Der Abend gehörte für mich zu den künstlerischen Höhepunkten der Festspiele.




Letzter Festspielabend: Siegfried

Am letzten Programmtag gab es zunächst einen Empfang im neuen Rathaus beim Oberbürgermeister der Stadt Bayreuth. Im Anschluss hatten wir dann Zeit zur freien Verfügung und die Möglichkeit die Stadt auf eigene Faust zu erkunden. Am Abend besuchten wir Siegfried, erneut in der Regie von Valentin Schwarz und unter der musikalischen Leitung von Simone Young. Entgegen meinen Erwartungen konnte mich diese Inszenierung stärker überzeugen als Das Rheingold. Musikalisch war der Abend herausragend, insbesondere Klaus Florian Vogt in der Titelrolle. In der Pause lud uns Albin nochmals zu einem Abschiedsgetränk ein. Mit dem Schlussapplaus endete das offizielle Programm der Stipendiatentage. Die Rückreise nach Koblenz konnte ich gemeinsam mit Johannes im Auto antreten, was den Abschied erleichterte.



Fazit

Die Stipendiatentage in Bayreuth waren für mich eine außergewöhnliche und prägende Erfahrung. Sie boten nicht nur die Möglichkeit, die Bayreuther Festspiele intensiv zu erleben, sondern auch wertvolle Einblicke hinter die Kulissen, zahlreiche Begegnungen mit Künstlern und Stipendiaten aus aller Welt sowie einen lebendigen internationalen Austausch.

Ich bin dem Richard-Wagner-Verband Koblenz und der Richard-WagnerStipendienstiftung zutiefst dankbar für diese einzigartige Möglichkeit. Die Tage in Bayreuth, die Musik, die Gespräche und die besondere Atmosphäre des Grünen Hügels werden mir nachhaltig in Erinnerung bleiben.


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